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Sozialberatung - Lebensberatung mit nur mangelnden Informationen?

ajopenbcIn einem Gespräch mit staatlich subventionierten Sozialberatern stellten wir unser GBSim-Modul vor. Unser Rezept lautete:

Gute Kenntnis der Förderrichtlinien ersparen alleinerziehenden Müttern möglicherweise umfangreiche Mehrarbeit

Unserer Meinung nach ist eine Mutter, die sich sozial abgesichert fühlt, gerne bereit, mehr Lebenszeit für die Erziehung der Kinder einzusetzen und somit weniger gefährdet, ihr Leben durch externe Hilfe in den Griff bekommen zu müssen. Zu unserer Überraschung erklärte man uns, dass es darum geht, Menschen, die sich in schwierigen Situationen befinden und identifiziert sind, aus dieser Situation heraus zu unterstützen, Prävention würde nicht honoriert, da noch kein Problem vorläge. 

Wenn Sie für sich entschieden haben, dass Ihr Beruf mehr bedeutet, als bestehende Schäden zu reparieren, sind grundlegende Kenntnisse in der Systematik SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende), Kindergeld und Kinderzuschlag und Wohngeld zu erlangen.

Auch die Wechselwirkung dieser Fördermöglichkeiten und des Steuerrechts wären sinnvoll, lassen Sie uns das an einem Beispiel aufzeigen.

Heiraten, um Steuern zu sparen?

Eine Frau mit zwei Kindern lebt in einer Bedarfsgemeinschaft mit einem Mann, der in einer 40-Stunden-Woche ein Nettogehalt von 1.120,- € verdient. Da sie nicht verheiratet sind, wird er als Lediger versteuert. Ein Blick in einen Brutto-Netto-Rechner im Internet zeigt auf, dass durch die Heirat nun die Splittingtabelle gilt und dadurch das Netto-Einkommen auf 1.220,- € steigt - diese 100,- € würde der Familie gut tun.

Was bewirkt die Grundsicherung, die die Familie als ergänzende Leistung erhält?

Genau das ist die Krux in dieser Betrachtung: Jegliches Einkommen, das bei einer Bedarfsgemeinschaft mit Minderjährigen über 1.500 € brutto hinaus geht, wird 1 : 1 mit den Leistungen des Jobcenters verrechnet. Im Ergebnis bedeutet dies: Vor und nach der Eheschließung steht der Bedarfsgemeinschaft inklusive Kindergeld und ergänzender Leistung 2.277,- € zur Verfügung - die Eheschließung aus finanzieller Sicht bewirkt hier überhaupt nichts. Bis zu einem Einkommen von Brutto 1.740 - also 240 € mehr als bisher - verändert sich überhaupt nichts an dem zur Verfügung stehenden Geld.

Trotzdem kann die Eheschließung finanziell von Vorteil sein.

Wenn das Einkommen des Mannes 1.550 € brutto übersteigt hat die Familie augenblicklich auch mehr Geld zur Verfügung. Dieser Betrag ist der Schwellenwert, bei dem die Familie aus dem Bezug des Jobcenters herausfällt und das zur Lebensführung fehlende Geld dann von der Familienkasse als Kinderzuschlag und mit Wohngeld ergänzen kann.

Bei den 1.740 € brutto - das im Rahmen des SGB II keinen Unterschied ausmacht - bekommt die Familie dann durch den Wechsel vom Jobcenter weg tatsächlich 100 € mehr als im SGB-II-Bezug.

Jeder dieser Rechenschritte dauert weniger als 30 Sekunden - Sie haben also viel Zeit, sich auf das Gespräch mit Ihrem Teilnehmer einzustellen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator