ajopenbcUnabhängig von Sinn und Unsinn des Mindestlohns bzw. der Auswirkungen auf die Wirtschaft generell, hat die Politik es nicht verstanden, den Langzeitarbeitslosen die Antwort auf die nicht gestellte Frage zu liefern:

Warum sollen Langzeitarbeitslose eigentlich keinen Mindestlohn bekommen?

Viele Langzeitarbeitslose haben multiple Vermittlungshemmnisse, deren Vorhandensein unter Umständen die Zahlung von Eingliederungszuschüssen für die Arbeitgeber mit sich bringt.

Das allein ist schon nicht wirklich gut für das angeknackste Selbstvertrauen der LZA, entsteht doch hier schon mal der Eindruck, dass man nur einen "gekauften Arbeitsplatz" besetzen kann.

Dann noch den erklärten Willen der Politik zu hören, dass gerade für sie kein Mindestlohn bezahlt zu werden braucht, ist alles andere als ein geeignetes Mittel, das Selbstwertgefühl wieder aufzubessern.

Im § 22 Absatz 4 des Mindestlohngesetzesndestlohngesetzes wird dieser Umstand beschrieben.

Kein Mindestlohn für Langzeitarbeitslose (SpiegelOnline vom 01.04.2014) mit der Begründung, dass die Chancen der LZA nicht zusätzlich verschlechtert werden sollen, macht diesen Umstand auch nicht einfacher. Oppositionspolitiker wittern Schlupflöcher zur Umgehung des Mindestlohns und machen aus dem an sich für die Betroffenen relativ harmlosen Thema einen politischen Schauplatz.

Bildungsträger bitten uns immer wieder, ihre Teilnehmer in unseren Schulungsveranstaltungen gerade auf diesen Punkt hin zu sensibilisieren. Wir geben hier immer wieder gerne Entwarnung:

Kein Mindestlohn zu bekommen ist nicht unbedingt ein Nachteil!

Nutzen Sie das GBSim-Modul, um die Wirkung eines bestimmten Gehalts - hier vieleicht des Mindestlohns - aufzuzeigen.

In den meisten Fällen reicht der Mindestlohn eben nicht, um aus dem Bezug von ergänzenden Leistungen herauszufallen, schon gar nicht, wenn man in hochpreisigen Gegenden wohnt, nur 35 Stunden bezahlt bekommt (üblich nach den Tarifverträgen der ANÜ) oder nicht alleine lebt. 

Wenn Sie dann zeigen können, dass ein geringerer Stundenlohn sich kaum auf das zur Verfügung stehende Gehalt auswirkt, steigt automatisch auch die Bereitschaft, einen an sich interessanten Job trotz des geringen Gehaltes anzunehmen.

Arbeitszeit   Stundenlohn brutto netto SGB II verfügbar
35 h/Woche

152 h/Monat

8,84 € 1.341 € 1.007 € 83 € 1.090 €
35 h/Woche 152 h/Monat 6,00 € 910 € 720 € 332 € 1.052 €
Differenz:           38 €

 

Setzen Sie hier das GBSim-Modul ein und "spielen" Sie mit der Zielwertsuche.

Klar, genauso viel Lohn zu bekommen wie vergleichbare Mitarbeiter, ist sicherlich ein wünschenswertes Ziel, aber auch hier sollte die Politik vielleicht Klartext reden:

Der Mindestlohn entlastet mehr die öffentliche Hand - hier die Jobcenter - als die Arbeitnehmer selbst - zumindest der Mindestlohn von 8,84 €

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

 

 

 

   
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