AJ denkt JoomlaMehr Beschäftige im nächsten Jahr

Mit diesem Zitat veröffentlichte der "Pfälzischer Merkur" Weihnachten 2013 ein Interview mit Heinrich Alt, der als Vorstandsmitglied der BA schwerpunktmäßig für den Bereich SGB II damals zuständig war.

In diesem Bericht wird er zum Thema Langzeitarbeitslose zitiert: 

"Das Hauptproblem: Langzeitarbeitslose sind überdurchschnitllich schlecht qualifiziert. Unter den Unqualifizierten liegt die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent. Bei den Qualifizierten sind es nur fünf Prozent."

Auf die Problemlösung angesprochen beschreibt er die Ist-Situation:

"Jedenfalls stehen viele Menschen, die lange weit weg vom Arbeitsmarkt waren, schon nach kurzer Zeit wieder auf der Straße."

Die Verantwortung sieht er (auch) in den Betrieben: 

"Bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Betrieben haben wir eine Art Innovationsstau. Es fehlt die gute Idee, wie wir diese Menschen wieder schrittweise in betriebliche Praxis integrieren können."

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Ein gesellschaftliches, kein finanzielles Problem

Tatsächlich leiden viele Langzeitarbeitslose - ich kann hier aus meiner Erfahrung mit der Generation 50 plus sprechen - unter ihrer Langzeitarbeitslosigkeit. Sie fühlen sich ausgegrenzt, durch den Begriff "Hartz IV" stigmatisiert. Viele haben einen langen beruflichen Lebensweg hinter sich und sind beispielsweise aus gesundheitlichen oder Altersgründen "entsorgt" worden.

Vielleicht hört sich entsorgt zu hart an, fomulieren wir es so: "Nach Firmenschließungen und -insolvenzen einfach nicht mehr in neue Beschäftigungsverhältnisse re-integriert worden."

Viele von ihnen wünschen sich, einfach wieder gebraucht zu werden und dieses Gefühl steht deutlich über dem Wunsch nach mehr Geld.

Nachhaltigkeit der Vermittlung lässt zu Wünschen übrig

Die üblichen Vermittlungsmodelle lassen sich nicht 1:1 auf Langzeitarbeitslose übertragen. Die einfachste Reaktion aller Vermittler - auch der staatlichen - ist, die Menschen über die Arbeitnehmerüberlassung in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Gerade die älteren bzw. gesundheitlich schwächeren Arbeitsuchenden können hier aber gar nicht mithalten: Der Entleiher wünscht sich für sein Problem eine schnelle und effiziente Lösung - hier müssen voll leistungsfähige (meist eben auch jüngere) Mitarbeiter eingesetzt werden.

Für eine zielorientierte Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt müssen die Rahmenbedingungen bekannt sein und auch genutzt werden:

Wer keine Chance hat, komplett aus Hartz IV heraus zu kommen, kann nicht über Geld motiviert werden

Das unzutreffender Weise Arbeitslosengeld 2 genannte System Hartz IV macht weit mehr, als sich nur um Arbeitslose zu kümmern: 

Es stellt auch Geld bereit für die arbeitenden Menschen, die von ihrem Einkommen nicht leben können. Dies geschieht über eine Rechenvorschrift des § 11 b SGB II, die im Tenor bedeutet:

So lange noch ein Anspruch auf Hartz IV besteht, verbleiben den Arbeitnehmern gegenüber ihrer Hartz IV-Situation vor Arbeitsaufnahme maximal 300 bis 330 € Mehreinnahmen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: 300,-- € monatlich mehr als vorher bedeutet, dass der Leistungsberechtigte statt 399 € jetzt 699,-- € zu seiner Verfügung hat. Diese "Gehaltsaufbesserung" in Verbindung mit dem Gefühl, endlich wieder gebraucht zu werden, ist für viele Menschen Motivation genug - da muss nicht mit der Sanktionskeule des SGB II zur Arbeitsaufnahme gemahnt werden.

Gleichzeitig haben wir es häufig mit Menschen zu tun, die aufgrund ihrer negativen Erfahrung in der Vergangenheit auch innere Selbstzweifel haben, ob sie denn dem Arbeitsmarkt noch gewachsen sind.

Neues Betätigungsfeld für Bildungsträger und Vermittler

Leben Sie Hartz IV! Nehmen Sie diesem Begriff den negativen Touch.

Das von verschiedensten Politikern immer wieder angesprochen und doch ständig verworfenes Thema

Kombilohnmodell

ist schon lange Realität - zumindest in dem Bereich, in dem niedrige Löhne bezahlt werden.

 

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