Ausüben des "kleinen Wahlrechts"

Fotolia BuchEine allein erziehende Mutter mit einer 9-jährigen Tochter verdient als Teilzeitbeschäftigte netto 1.126,54 €. Die anerkannten Kosten für Wohnung und Heizung betragen 430,-- €.

Für ihren PKW zahlt sie Haftpflichtversicherung in Höhe von 32,25 €, die Entfernung zu ihrem Arbeitsplatz beträgt 15 km täglich.

Da das Einkommen für sie und ihre Tochter nicht ausreichend ist, steht ihr Sekundärgehalt in Höhe von 198,-- € durch das Jobcenter zu.

Sie wollen aufzeigen, dass sie statt ergänzender Leistung des Jobcenters auch Kinderzuschlag bekommen könnte - was tun?

Kinderzuschlag gibt es nur, wenn das Einkommen der Eltern für sich alleine reichen würde

Nur wenn das Einkommen für die Eltern für sich alleine reichen würde - sie also nur bedürftig aufgrund des Elternstatus sind - kann Kinderzuschlag beantragt werden - diese Rechnung hatte das Programm für Sie (quasi nebenbei ohne jede weitere Eingabe) bereits erledigt - die Bedürftigkeit ist allerdings noch nicht beseitigt.

Kinderzuschlag scheidet aus

Hier ist allerdings zu beachten, dass durch den Status "allein erziehend" ein Mehrbedarf von 47,88 € "gewährt" wird, was jetzt hier allerdings einen Nachteil darstellt.

Genau hier greift jetzt das Wahlrecht - wenn die Bedürftigkeit nach einem Verzicht auf diesen Mehrbedarf nicht mehr bestünde, kann doch der Kinderzuschlag gewährt werden.

Bei Mehrbedarf manuell geben Sie jetzt genau den automatisch berechneten Mehrbedarf mit einem Minusbetrag ein, damit gleichen sich die beiden Beträge aus.

Sie haben Ihr Ziel leider noch nicht erreicht - das Gesamteinkommen ist immer noch um 25,04 € niedriger als der Bedarf.

Wo könnte theoretisch angesetzt werden?

  1. mehr Gehalt
  2. Tochter bekommt regelmäßig Geld von der Oma
  3. sie selbst bekommt regelmäßig Geld von der Oma

Mehr Gehalt

Wenn es klappt - dann gerne. Testen Sie mit der Zielwertsuche, wie viel Geld sie mehr bekommen müsste.

3 Klicks weiter zeigt Ihnen das Modul, dass das Bruttogehalt von 1.500 auf 1.587,46 € erhöht werden müsste, was einer Gehaltserhöhung von 5,8 % entspricht.

Taschengeld an die Enkelin von der Oma

Klingt zuerst plausibel - funktioniert aber nicht: Das wäre Einkommen des Kindes und würde bestenfalls die Höhe des Kinderzuschlags nach unten verändern - bei 125 € Taschengeld wäre der Kinderzuschlag bei 0 angelangt.

Negativer Nebeneffekt - die Kleinfamilie hätte immer noch einen Anspruch auf 11 € (trotz des Verzichts auf den Mehrbedarf), dann lieber den Verzicht rückgängig machen und rund 58 € monatlich vom Jobcenter bekommen!

Und wenn sie sowieso noch zum Jobcenter muss, dann muss auch das Taschengeld der Oma nicht her und das Jobcenter bezahlt 183 €.

Die Oma - will aber helfen, dann lassen wir sie auch

Auch hier wieder - wie bei allen Rechenschritten - die Zielwertsuche eingesetzt:

Klick auf den Kinderzuschlagsmarker (- 25,04) - Zielwert eingeben + 0,01 - Klick auf Tabelle Gesamtbedarf bei Unterhalt für die Mutter - OK.

Ergebnis 15,11 € monatliches Taschengeld von Oma an die Mutter der Enkelin und schon ist "Hartz IV Geschichte" - in diesem Beispiel unerheblich aber trotzdem dran denken: monatliche Einkommen von weniger als 10,-- € werden nach der § 1 Absatz I Satz 1 ALG II V(erordnung) nicht angerechnet - also vorsorglich lieber mit der Oma über 20,-- € verhandeln.

Vielleicht besteht die Familienkasse darauf, dass die Oma per Vertrag die Verpflichtung eingeht, diesen Betrag auch wirklich monatlich zu bezahlen - ein kleines Vorgespräch kann das wohl klären.

Wie sieht die finanzielle Bilanz für die Klein-Familie aus?

Zu Beginn dieser Geschichte hatten sie mit der ergänzenden Leistung 1.508,50 € zu ihrer Verfügung.

Nach Taschengeld hat sie 1.480 € zur Verfügung (mit dem Taschengeld der Oma), ist aber nun aus dem Bezug des Jobcenters heraus.

Ich hatte für diese komplette Überlegung weniger als 3 Minuten gebraucht - bin aber sicher, dass Sie mit dem Modul diese Schritte nun in 2 Minuten hin bekommen - probieren Sie es.

Ach ja - vor lauter Probieren nicht vergessen, mit Oma, Mutter und Kind zu sprechen - das soll doch nicht nur ein pures Rechenmodell bleiben?

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

   
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