Unter welchen Bedingungen kann es Kinderzuschlag geben?

AJ telefoniert

In vielen einschlägigen Foren werden Nachfragende gerne auf Kinderzuschlag und Wohngeld verwiesen. Dieser Hinweis geht meist einher mit der Aussage, dass bei Paaren ein Mindesteinkommen von 900 € vorhanden sein müsse, bei Alleinerziehenden bereits ab 600 € Einkommen Kinderzuschlag beantragt werden kann.

Was hier vielen Kommentatoren nicht ganz klar ist: Hier handelt es sich nicht um Einkommen, ab denen Kinderzuschlag gezahlt wird sondern um Untergrenzen, unterhalb deren ein Antrag schlichtweg nicht weiter bearbeitet wird.

Reichen 600 € Einkommen im Regelfall bei Alleinerziehenden?

Definitiv nein - zumindest nicht, wenn Miete gezahlt werden muss.

Annahme: Alleinerziehend, 1 Kind (2 Jahre), Unterhaltsvorschuss 177 €, Warmmiete 594,20 € (66663 Merzig im Saarland), Mietstufe II.

Bis zu einem Einkommen von 1.108 € brutto ist die Bedürftigkeit nicht beendet - somit besteht keine Chance auf Kinderzuschlag, obwohl rechnerisch Anspruch auf 260 € Wohngeld besteht.

Ab 1.109 € brutto fehlt zwar Geld (gegenüber SGB II - 99,54 €), der Fehlbetrag ist somit kleiner als 100,- € - die Bewilligung ist zu erwarten.

Bei 1.441 € brutto wäre die Familie immer noch mit Leistungen nach dem SGB II bessergestellt (Anspruch nach SGB II wäre 266,96 € ./. 266,35 € Kinderzuschlag und Wohngeld) - sie verzichtet auf rund 0,61 € gegenüber SGB II (bis hierhin darf sie u. E. auch nicht vom Jobcenter auf Kinderzuschlag und Wohngeld verwiesen werden).

Finanzieller Vorteil für Kinderzuschlag und Wohngeld

Ab jetzt ergibt sich ein finanzieller Vorteil aus der Wahl des Kinderzuschlags und Wohngelds - wenn auch nur in kleinen Schritten. Bei 1.537 € brutto beträgt der Vorteil 32,16 € (Anspruch nach SGB II wäre 196,19 € ./. 228,35 € Kinderzuschlag und Wohngeld).

Großer Zuschlag beim Wohngeld

Bei 1.538 € brutto kommt ein Sprung: das Wohngeld steigt um 71 € - jetzt ist die Familie mit Wohngeld und Kinderzuschlag besser gestellt (299,35 €) als im SGB II (195,55 €) - der Vorteil liegt nun bei 103,80 €. Was ist da passiert?

Das Einkommen ist steuerpflichtig geworden (wenn auch nur sehr gering), das bedeuet, dass bei der Einkommensanrechnung des Wohngeldes ein weiterer 10 %iger) Abzug vorgenommen wird und das Wohngeld entsprechend steigt. Nach Abzug der Werbungskosten wird pro Abgabe, die tatsächlich gezahlt wird, jeweils 10 % vom Brutto abgezogen. Die Positionen sind Kranken-, Rentenversicherung und Steuer.

Entfall Anspruch auf Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II - selbst ohne Wohngeld / Kinderzuschlag

Bei brutto 1.840 € stehen 0,39 € SGB II-Leistung 185,35 € Kinderzuschlag und Wohngeld gegenüber - mit dem nächsten Euro (1.841 €) ist das Jobcenter in jedem Fall komplett aus der Unterstützung raus, eine Gegenüberstellung ist somit weder nötig noch möglich.

Wohngeld entfällt

Bei 1.993,- € gibt es weniger als 10 € Wohngeld - Beträge unter 10 € werden nicht ausgezahlt - und es gibt nur noch Kinderzuschlag (hier 79,85 €). 1 € mehr an Brutto "kostet" somit 10 € Wohngeld.

Beantragung des Kinderzuschlags wohl unwirtschaftlich

Bei 2.244 € gibt es (rechnerisch) noch 12,35 € Kinderzuschlag - bei 2.279 € ist Kinderzuschlag bei 0,- €.

Diese Werte haben nur in 2022 Gültigkeit, da sich jährlich alle Parameter ändern.

 

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

   
© JayCON.de 2022