De-Motivation - Sie haben richtig gelesen!

AJ denkt JoomlaÜber die Motivation von besseren Bezahlungen ist schon sehr viel geschrieben worden. Eine Gehaltsaufbesserung, die Wirkung zeigt, sollte ca. 7 % betragen

Verheiratet, 1 Kind - brutto 1.710 €

Sie haben einen verheirateten Mitarbeiter, der ein 7-jähriges Kind hat. Sein Bruttogehalt beträgt 1.710 €, Sie wollen ihm nach obiger These eine Gehaltsaufbesserung von 7 % zukommen lassen und zahlen im jetzt 1.830 € brutto - ein Plus von 120 €.

Für Sie als Unternehmer bedeutet dies, dass Sie für Ihren Mitarbeiter inklusive Lohnnebenkosten statt 2.143 € jetzt 2.292 € monatlich bezahlen - Mehrkosten in Höhe von 149 €.

Vermissen Sie das freudige Strahlen in den Augen Ihres Mitarbeiters?

Ich hoffe, Sie haben Ihrem Mitarbeiter die Gehaltserhöhung nicht groß angekündigt - die Enttäuschung könnte um so größer sein:

  vorher nachher Wirkung
AG-Brutto 2.143 € 2.292 € + 149 €
 
AN-Brutto  1.710 € 1.830 €  + 120 €
Netto 1.366 € 1.462 €  + 96 €
Kindergeld  219 €  219 €  +- 0 €
ergänzende
Leistung
 583 €  487 € - 96 €
verfügbar   2.168 €  2.168 € +- 0 €

Wie wäre es mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung?

Da sie festgestellt haben, dass von den 100 € Plus nichts bei Ihrem Mitarbeiter ankam, geben Sie ihm lieber 465 € mehr.

  vorher nachher Wirkung
AG-Brutto 2.143 € 2.720 € + 577 €
 
AN-Brutto  1.710 € 2.175 €  + 465 €
Netto 1.366 € 1.738 €  + 372 €
Kindergeld  219 €  219 €  +- 0 €
ergänzende
Leistung
 583 €  211 € - 372 €
verfügbar   2.168 €  2.168 €

 

+- 0 €

 

577 € höheres Arbeitgeberbrutto (465 € + 112 €) ohne Wirkung für Ihren Mitarbeiter - was hatten Sie leider nicht bedacht?

Ihr Mitarbeiter kann mit seinem Gehalt seine Familie nicht wirklich ernähren. Aus diesem Grund kann er nach SGB II ergänzende Leistung beim Jobcenter beantragen, und das hat er auch gemacht. Da oberhalb von Brutto 1.500 € jedoch keine Freibeträge mehr wirken, verpufft Ihre Gehaltsaufbesserung - immerhin haben Sie aber das Jobcenter und somit die Allgemeinheit entlastet. Vielleicht ist das ein Trost für Sie.

Wenn Sie schon so weit gegangen sind, zahlen Sie doch einfach 10,- € mehr

Nein, das ist keine Ironie - es bewirkt tatsächlich etwas.

Die Lösung: Familien, die nur deshalb Unterstützung des Jobcenters benötigen, weil sie durch ihr(e) Kind(er) arm ist/sind,  können Kinderzuschlag beantragen. Dazu muss aber der Bedarf durch Einkommen und die Zuschüsse (Kinderzuschlag und Wohngeld) gedeckt sein.

  vorher nachher Wirkung
AG-Brutto 2.720 € 2.732 € + 12 €
 
AN-Brutto 2.175 € 2.185 €  + 10 €
Netto 1.738 € 1.745 €  + 7 €
Kindergeld  219 €  219 €  +- 0 €
ergänzende
Leistung
211 € 0 € - 211 €
Kinder-
zuschlag
 0 € 205 €  + 205 €
Wohngeld 0 € 94 € + 94 €
verfügbar   2.168 €  2.265 € + 95 €

 Was haben jetzt die 10 € mehr bewirkt?

Sie lösen die Zahlung von Wohngeld aus.

Bis 2.175 € brutto musste Ihr Mitarbeiter keine Steuern bezahlen (somit war die ergänzende Leistung des Jobcenter höher als der zu erwartende Kinderzuschlag) - jetzt, bei 10 € mehr fallen Steuern an (0,66 €).

Diese Steuerzahlung (wenn auch nur wenige Cent) sorgt dafür, dass sein Nettogehalt als Grundlage für die Wohngeldberechnung jetzt nicht mehr mit 80 sondern 70 % gerechnet wird (vom Brutto werden bei Zahlung von Rentenversicherungs-, Krankenversicherungsbeiträgen und von Steuern jeweils 10 % in Abzug gebracht). Mit diesem "geringeren" Nettogehalt kommt er jetzt wieder in den Genuss von Wohngeld.

Wie sieht es z. B. nach einer Beförderung aus?

Ihr Mitarbeiter - verheiratet und 1 Kind (wie oben) - verdiente bei Ihnen bisher brutto 2.180 €. Sie wollen seine Weiterbildung honorieren und erhöhen sein Gehalt um brutto 400,- € - bringt laut Brutto-Netto-Rechner eine zu erwartende Nettowirkung von 260,- €.

  vorher nachher Wirkung
AG-Brutto 2.727 € 3.223 € + 496 €
 
AN-Brutto 2.180 € 2.580 €  + 400 €
Netto 1.741 € 2.001 €  +260 €
Kindergeld  219 €  219 €  +- 0 €
Kinder-
zuschlag
 209 € 92 € - 117
Wohngeld 96 € 0 € - 96
verfügbar   2.265 €  2.312 € + 47

Die Enttäuschung bei Ihnen und Ihrem Mitarbeiter könnte kaum größer sein...

Da vom Mehrverdienst allerdings 45 % auf den Kinderzuschlag angerechnet werden und das Wohngeld ebenfalls sinkt, kommen bei Ihrem Mitarbeiter weniger als 20 % des erhofften Nettovorteils an.

Diese Wechselwirkung sollte Ihnen zumindest vor der Ankündigung von Gehaltsaufbesserungen vertraut sein.

Wir bieten Ihnen an, solche Wechselwirkungen mit Ihnen - eventuell auch den entsprechenden Mitarbeitern - zu besprechen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die für beide Parteien mehr Zufriedenheit bringen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

 

 

 

   
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